Wie viele Kryptowährungen gibt es?

Lesen 3 min.
Was sind die verschiedenen Kryptowährungen?
Wichtigste Erkenntnisse:
– Kryptowährungen sind nicht homogen: Es gibt über 6000 verschiedene Coins und Token in der Kryptosphäre.
– Coins und Token basieren auf unterschiedlichen Konsensprotokollen, d. h. Systemen, mit denen die jeweilige Währung ihre Transaktionen validiert. Die beiden wichtigsten Protokolle sind Proof-of-Work und Proof-of-Stake.
– Bevor Sie sich für eine Coin oder ein Token entscheiden, sollten Sie sich auf jeden Fall über die zugehörigen Betriebsregeln informieren.

Bitcoin mag die erste Kryptowährung gewesen sein, aber sie ist bei weitem nicht die einzige. Auf ihre Erfindung folgten Tausende von Coins und Token, die alle die Blockchain als Grundlage nutzen. Doch worin genau besteht der Unterschied zwischen Coins und Token, welche verschiedenen Varianten gibt es – und wozu braucht man sie?

Damit wir wirklich verstehen, was los ist – und warum –, müssen wir einen Schritt zurücktreten und uns ansehen, warum Bitcoin überhaupt entstanden ist.

Warum kam Bitcoin in die Welt?

Die Finanzkrise

Wenn Sie alt genug sind, werden Sie sich wahrscheinlich daran erinnern, dass das Jahr 2008 vom Zusammenbruch des Finanzsystems geprägt war. Diese Krise hatte das weltweite Vertrauen in Banken, Zentralbanken und Behörden in seinen Grundfesten erschüttert, und überall auf der Welt machte man sich Gedanken darüber, wie man die Dinge verbessern könnte – und kam doch nicht vom Fleck.

Eine neue Finanzinfrastruktur

Für die Nutzung von Geld gelten zwei wesentliche Einschränkungen, und mit ihnen lässt sich kurz und bündig erklären, warum wir Banken brauchen – oder besser: brauchten. Die erste ist das Vertrauen: Wie kann man sich in einer Welt, in der wir täglich mit Menschen zu tun haben, die wir nie treffen werden, darauf verlassen, dass bei einer Transaktion zwischen zwei Fremden auch alles mit rechten Dingen zugehen wird? Zweitens stellt sich die Frage der Logistik: Welche Infrastruktur können wir nutzen, um den betreffenden Wert tatsächlich zu übertragen?

Bei beiden Fragen sind wir auf die Banken angewiesen. Als vertrauenswürdige Vermittler überwachen sie die Prozesse und stellen sicher, dass beide Seiten alle Regeln der Transaktion einhalten. Sie behalten bei Finanztransfers das globale Kontobuch im Blick, um sicherzustellen, dass der Geldwert gleich bleibt. Zudem sind die Banken Einstiegspunkte (und im Grunde genommen sogar Knotenpunkte) der globalen Zahlungsinfrastruktur, über die wir unser Geld bewegen. Ganz offensichtlich benötigte jede realistische Alternative zum traditionellen Bankwesen daher nicht nur eine Infrastruktur für den Werttransfer, sondern auch eine ausfallsichere Methode zum Verfolgen des Transaktionsregisters. Zudem hatte die Finanzkrise gezeigt, dass all dies ohne eine zentrale Instanz geschehen müsste, die in der Lage wäre, dieses System zu manipulieren, zu korrumpieren oder davon zu profitieren.

Mit Bitcoin wurde alles anders

Inmitten der Turbulenzen, die auf die Finanzkrise folgten, trat Bitcoin mit einem zentralen Versprechen an die Öffentlichkeit: die Wertübertragung zwischen einzelnen Nutzern ohne zentrale Instanz. Dies war ein erster Schritt – eine Revolution und gleichzeitig der Beginn einer langen Reise. Am wichtigsten aber ist: Kryptowährungen stellten einfach eine Alternative dar, Vermögen zu übertragen.

Es ist viel passiert

Zwar war Bitcoin die erste Kryptowährung überhaupt, aber sie ist bei weitem nicht die einzige. Vielmehr umfasst der Kryptowährungsmarkt derzeit über 6000 digitale Währungen und wächst stetig weiter.

Kryptowährungen

Wie hier erklärt, haben die meisten Kryptowährungen eine eigene Blockchain mit jeweils eigenen Regeln. Diese Regeln werden in Abhängigkeit von den konkreten Zielen erstellt, die mit der jeweiligen Kryptowährung erreicht werden sollen.

Was für verschiedene Kryptowährungen gibt es also? Kryptowährungen werden allgemein in drei Gruppen unterteilt:

  1. Bitcoin
  2. Altcoins
  3. Krypto-Coins

Bitcoin

Dies ist die simpelste Variante. Falls Sie es noch nicht getan haben, sollten Sie sich dieses Video ansehen, dass sich ausschließlich Bitcoin widmet. Kurz gesagt, geht es bei Bitcoin um den Kauf von Waren und Dienstleistungen und die Verwahrung von Werten. Die Regeln der zugehörigen Blockchain basieren auf dem Proof-of-Work-Protokoll.

Altcoins

Diese Verkürzung steht für „alternative Coins“ und umfasst alle Kryptowährungen außer Bitcoin. Gegenwärtig gibt es bereits mehr als tausend Altcoins. Sie können in zwei Untergruppen unterteilt werden:

  • Von Bitcoin abgeleitete Coins: Dies sind alternative Versionen von Bitcoin, die nur geringfügige Abweichungen vom Original aufweisen. Ihr Ziel besteht häufig darin, bestimmte bei Bitcoin vorhandene Einschränkungen zu beseitigen. Eine der erfolgreichsten Altcoins ist Litecoin, deren Ziel in einer höheren Transaktionsgeschwindigkeit besteht.
  • Native Coins: Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Regeln, Protokolle und Ziele teils deutlich von Bitcoin. Zu den vielen Parametern, die sich bei Blockchain-Regeln unterscheiden können, gehört auch die Wahl des Validierungsprotokolls: entweder Proof-of-Work (PoW) oder Proof-of-Stake (PoS). Einige bekannte native Altcoins mit PoS-Protokollen sind TRON (TRX) und TEZOS (WTZ).

Krypto-Token

Im Vergleich zu den beiden anderen Gruppen sind Token absolut einmalig, da sie keine eigene Blockchain haben. Vielmehr existieren sie nur in anderen Blockchains. Moment mal! Wie bitte?? Haben wir nicht gerade den Grundsatz 1 Blockchain = 1 Kryptowährung festgelegt? Schon. Aber wir haben auch gesagt: keine Regel ohne Ausnahme. Es gibt mehrere Blockchains, die die Existenz von Token in ihrem Netzwerk gestatten. Die wohl bekannteste ist Ethereum.

Konsensprotokolle: Proof-of-Work versus Proof-of-Stake

Im Bitcoin-Netzwerk erfolgt die Verifizierung und Validierung von Transaktionen nach dem Proof-of-WorkKonsensprotokoll. Einige neuere Blockchains nutzen dagegen zur Überprüfung und Validierung einen anderen Konsensmechanismus, nämlich Proof-of-Stake. Nachfolgend sind die wichtigsten Unterschiede beschrieben.

Proof-of-Work versus Proof-of-Stake

Ein weiterer wesentlicher Unterschied besteht darin, dass PoS Ihnen erlaubt, etwas sehr Wesentliches mit Ihren Coins zu tun: Staking. Sie erhalten so die Möglichkeit, ein passives Einkommen zu erzielen. Wenn Sie PoS-Coins besitzen, können Sie einen Teil Ihres Guthabens an einen Validator delegieren. Der Validator wird für seine Tätigkeiten mit Gebühren belohnt und gibt einen Teil davon an Sie weiter. Anders formuliert: Mit PoS können Sie Ihr Vermögen vermehren, ohne etwas zu tun. Sie müssen dafür noch nicht einmal selbst Validator sein.

Ethereum und seine Token

Die Ethereum-Blockchain wurde 2015 vorgestellt und läutete eine neue Ära der Kryptowährungen ein – sowohl hinsichtlich dessen, was möglich war, als auch im Hinblick darauf, was wir, die Nutzer, erwarteten.

Die native Währung von Ethereum heißt Ether (ETH) und gehört zur Kategorie der Altcoins. Ethereum wurde, was die Marktkapitalisierung angeht, schnell zur Nummer zwei unter den Kryptowährungen. Obwohl es sich um eine dezentrale und quelloffene Blockchain handelt, hat sie sich durch ihre einzigartigen Ziele und Funktionen einen Platz an der Spitze gesichert.

Die Ethereum-Blockchain ging weit über die reine Wertspeicherung und -übertragung hinaus: Sie ist als Anwendungs-Layer konzipiert, auf den aufsetzend Dritte eigene Plattformen erstellen können. Da Ethereum quelloffen ist, kann jeder Nutzer seine eigenen Krypto-Token auf der Ethereum-Blockchain (ERC20-Token) erstellen, und für jedes Token können eigene, ganz spezielle Regeln programmiert werden.

Diese Open-Source-Blockchain bildete die Grundlage für eine Reihe wichtiger Entwicklungen: Das heute boomende DeFi-System, das Tausende von Services und Plattformen hervorbringt und deren kompatible Nutzung ermöglicht, basiert auf der Ethereum-Blockchain. Es ist zudem die Basis für die allermeisten NFTs (ERC720-Token), ein weiteres Ökosystem, das dank der revolutionären Ethereum-Technologie entstanden ist und weiter expandiert.

Die Welt von Ethereum erinnert nur noch in Ansätzen an die ursprüngliche Funktion von Bitcoin, einfach nur Werte zu übertragen: Sie verändert das Gesicht der Kryptowährung, ermöglicht neuartige Transaktionen zwischen einzelnen Nutzern und legt die Messlatte für das, was wir – die Nutzer – als Teil einer globalen, verteilten Community tun können, deutlich höher. Und das Ende der Fahnenstange ist noch längst nicht erreicht.

Eine Kryptowährung für jeden Zweck

Sie wissen nun, dass Kryptowährungen keine homogene Masse sind: Es gibt Tausende verschiedener Kryptowährungen – teils Coins, teils Token –, die jeweils in ihrer eigenen Blockchain existieren und eigene Regeln, Funktionen und Möglichkeiten umfassen. Daher ist es sehr wichtig, dass Sie sich vor dem Kauf selbst informieren. In der Krypto-Community lautet der entsprechende Slangausdruck „DYOR“: „Do your own research“ (dt. „Recherchiere selbst“). Nur so können Sie auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse solide Investitionsentscheidungen treffen.

Wenn Sie den Einstieg ins Kryptouniversum erst einmal geschafft haben, sind Ihre Möglichkeiten grenzenlos. Sie können ganz einfach einen Kryptovermögenswert in einen anderen umtauschen, ganz ohne Fiatgeld zu verwenden. Außerdem ist es möglich, mit Kryptowährungen zu reisen, einen Kredit in Fiatwährung zu beantragen und dabei Ihr Kryptoguthaben als Sicherheit zu verwenden oder mit Coins Geld für Ihr Unternehmen zu beschaffen. Sie allein haben die Macht zu entscheiden, was Sie mit Ihren Kryptos machen wollen. Die einzige Voraussetzung besteht darin, dass Sie Kryptos besitzen müssen. Kann‘s losgehen?

Wissen ist Macht.

Vertrauen Sie sich selbst und lernen Sie weiter. Wenn Sie sich für Kryptowährungen und die Blockchain interessieren, sehen Sie sich unsere School of Block-Folge an, in der Sie alles über die verschiedenen erhältlichen Coins und Token erfahren und außerdem herausfinden, was Sie damit machen können.


Verwandte Quellen

Bleiben Sie in Kontakt

Ankündigungen sind in unserem Blog zu finden. Pressekontakt:
[email protected]